Der Graue Star – medizinisch Katarakt – ist die weltweit häufigste Augenerkrankung. Allein in Deutschland sind mehrere Millionen Menschen betroffen. Mit zunehmendem Lebensalter verliert die natürliche Augenlinse ihre Klarheit: Sie verhärtet und trübt ein. Das Licht kann dann nicht mehr ungehindert zur Netzhaut gelangen und das Bild wirkt verschwommen, kontrastarm oder wie durch einen Schleier gesehen. Der Begriff „Katarakt“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Wasserfall“ – ein treffendes Bild für die Wahrnehmung vieler Betroffener.
Beim Grauen Star handelt es sich nicht um eine klassische Krankheit, sondern um eine altersbedingte Veränderung. Zwar gibt es seltene Formen, die auch jüngere Menschen betreffen können, doch der sogenannte Altersstar macht den weitaus größten Anteil aus. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko kontinuierlich, besonders häufig betroffen sind Menschen jenseits der 70.
Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Alterungsprozessen: Eine Katarakt lässt sich sehr gut behandeln. Die Operation gehört zu den am häufigsten durchgeführten und erfolgreichsten Eingriffen der modernen Medizin. Viele Patientinnen und Patienten berichten anschließend über ein deutlich klareres Sehen – teilweise besser als seit vielen Jahren.
Das Auge arbeitet in vielerlei Hinsicht wie eine Kamera:
Wird die Linse trüb, erreicht weniger Licht die Netzhaut. Zusätzlich werden einfallende Strahlen gestreut. Das führt zu Unschärfe, erhöhter Blendung und gelegentlich zu Doppelbildern.
Die Symptome des Grauen Stars (Katarakt) entwickeln sich meist schleichend und schmerzlos. Betroffene bemerken oft erst spät, dass sich ihre Sicht verändert, da das Gehirn die leichte Trübung anfangs ausgleichen kann.
Der natürliche Alterungsprozess ist der wichtigste Auslöser. Daneben können weitere Faktoren die Entwicklung begünstigen oder beschleunigen, zum Beispiel:
Viele Menschen zeigen bereits ab dem Rentenalter erste Linsentrübungen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen.
Eine Katarakt kann oft erkannt werden, lange bevor sie von Betroffenen selbst wahrgenommen wird. Bei der augenärztlichen Untersuchung kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz.
Mit der Spaltlampe lässt sich die Linse mikroskopisch beurteilen. Ergänzend prüfen Sehtests unter anderem Sehschärfe und Blendung. Eine Kontrolle des Augenhintergrunds sowie eine Augendruckmessung helfen, Begleiterkrankungen auszuschließen.
Vor einer geplanten Operation erfolgt zusätzlich eine detaillierte Analyse der Netzhaut, häufig mittels optischer Kohärenztomographie (OCT). Dieses bildgebende Verfahren zeigt feinste Strukturen der Makula und ermöglicht es, andere Ursachen einer Sehverschlechterung sicher zu erkennen.
Für die exakte Planung der Kunstlinse wird anschließend eine optische Biometrie durchgeführt. Dabei werden unter anderem die Länge des Auges und weitere anatomische Parameter präzise vermessen.
Medikamente können eine Linsentrübung nicht rückgängig machen. Die wirksame Behandlung besteht daher im operativen Ersatz der natürlichen Linse durch eine klare Kunstlinse.
Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und unter örtlicher Betäubung. Über einen minimalen Zugang wird die trübe Linse entfernt und eine moderne Intraokularlinse eingesetzt. Die Operation dauert meist nur wenige Minuten.
Schon kurz danach können die meisten Patientinnen und Patienten wieder nach Hause gehen. Am Folgetag entfernen wir den Schutzverband und kontrollieren das Auge. Auch wenn sich das Sehen zunächst noch anpassen muss, wird die Verbesserung häufig sehr schnell wahrgenommen.
Die Standardoperation mit einer Basislinse wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Vor der Operation steht die Entscheidung für den passenden Linsentyp an. Anders als die natürliche Linse können Kunstlinsen ihre Form nicht aktiv verändern.
Standardlinsen ermöglichen entweder gutes Sehen in der Ferne oder in der Nähe. Viele Menschen wählen eine Fernlinse und nutzen für Lesen oder Computerarbeit zusätzlich eine Brille.
Darüber hinaus existieren Premiumlinsen, die zusätzliche Fehlsichtigkeiten ausgleichen oder mehrere Entfernungen abdecken können. Ziel ist dabei oft eine größtmögliche Unabhängigkeit von Sehhilfen. Welche Variante sinnvoll ist, hängt stark von Ihren Sehgewohnheiten, Ihrem Alltag und Ihren persönlichen Erwartungen ab.
Wir beraten Sie hierzu ausführlich und individuell.
Monate oder auch Jahre nach der Operation kann sich die hintere Linsenkapsel eintrüben. Diese Veränderung nennt man Nachstar. Sie hat nichts mit einem Wiederauftreten der ursprünglichen Erkrankung zu tun.
Die Behandlung ist unkompliziert: Mit einer kurzen, ambulanten Laseranwendung wird die Trübung schmerzfrei entfernt, sodass das Sehen wieder klar wird.